Cannabis-Anbauvereinigungen warnen: IMK-Angriffe sind Konjunkturprogramm für den Schwarzmarkt

Berlin, 03.12.2025: Anlässlich der heute beginnenden dreitägigen Innenministerkonferenz (IMK) in Bremen äußert sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Cannabis-Anbauvereinigungen (BCAv) besorgt über die laut Medienberichten vorliegenden Beschlussanträge aus dem Kreis der Unions-Innenminister. Die Forderungen, Genehmigungsverfahren für neue Cannabis-Anbauvereinigungen pauschal zu stoppen und legale Besitzmengen drastisch zu reduzieren, zeugen nach Ansicht der BCAv von einer verfehlten Symbolpolitik, die den Zielen des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) diametral entgegensteht.

Ursache der „Fehlentwicklungen“ ist Bürokratie
Die Innenminister begründen ihren Vorstoß mit angeblichen „Fehlentwicklungen“ und verweisen darauf, dass Anbauvereinigungen bisher kaum zur Bedarfsdeckung beitragen würden. Diese Analyse ist zynisch: Es sind oft genau jene restriktiven Landesbehörden und überbordenden bürokratischen Hürden, die den Start der Vereine seit Monaten massiv verzögern. „Dass die Anbauvereinigungen erst einen Bruchteil des Marktes abdecken, ist kein Beweis für das Scheitern des Konzepts, sondern das Resultat einer politisch gewollten Blockadehaltung in vielen Bundesländern“, erklärt Heinrich Wieker, Koordinator der BCAv. Einen Aufnahmestopp für neue Vereine zu fordern, während der legale Anbau gerade erst Strukturen aufbaut, treibe Konsumenten zurück in die Arme des illegalen Handels. Wer den Schwarzmarkt bekämpfen will, müsse legale, kontrollierte Bezugswege fördern, statt sie im Keim zu ersticken.

​Kriminalisierung durch die Hintertür
Ebenso scharf kritisiert die BCAv die Pläne, die erst kürzlich etablierten Besitzobergrenzen von 25 Gramm (öffentlich) bzw. 50 Gramm (monatliche Abgabe) wieder zu senken. Eine Reduzierung dieser Mengen würde keine Sicherheitsgewinne bringen, sondern lediglich tausende unbescholtene Bürger erneut kriminalisieren, die ihren Monatsbedarf legal decken wollen. Dies widerspricht dem Geist der Entkriminalisierung und bindet unnötige Ressourcen bei Polizei und Justiz. Egal welche Grenze die Politik festlege, darunter werde es Schwarzmarkthandel geben, solange es nicht in ausreichendem Maße legale Bezugsquellen gebe. 

​​Appell an die Vernunft
Die BCAv appelliert an die Innenminister der Länder, diesen ideologisch motivierten Rückschritt abzulehnen. Stattdessen sollten Entscheidungen auf Basis wissenschaftlicher Fakten wie der EKOCAN-Evaluierung erfolgen. Die vom Bundesgesundheitsministerium beauftragten Wissenschaftler hatten bei der Veröffentlichung des ersten Zwischenberichts am 29.09.2025 deutlich gemacht, dass sie keinen dringenden Handlungsbedarf für die Politik sehen. Auch sollte der darin festgestellte große Anteil des privaten Eigenanbaus (35,1 %) bei der Versorgung der Konsumenten in der Diskussion berücksichtigt werden. 

19 Verbesserungschancen
Die BCAv wünscht einen konstruktiven Dialog darüber, wie Genehmigungsverfahren beschleunigt und entbürokratisiert werden können. Hierzu hat die Bundesarbeitsgemeinschaft bereits im September ein 19 Punkte umfassendes Positionspapier veröffentlicht.

Aktuelle Genehmigungszahlen
Bundesweit sind bisher 357 Cannabis-Anbauvereinigungen genehmigt worden.